Wie werden Baustellenlogistik und Verkehr organisiert? 

Die Bauarbeiten sind auf 5 Jahre ausgelegt und werden unter besonderer Berücksichtigung von Bevölkerung und Umwelt organisiert, sodass Flächenverbrauch, Verkehr und sonstige Auswirkungen möglichst gering ausfallen. Der größte Teil der Kraftwerksanlage entsteht unterirdisch. Die Arbeiten erfolgen in mehreren Schritten: Zunächst werden die Baustellen eingerichtet, einschließlich Materialseilbahnen, Zufahrten und Logistikflächen. Anschließend werden Stollen und Kavernen ausgebrochen, gesichert und ausgekleidet. Das dabei anfallende Material wird vor Ort aufbereitet und soweit möglich für die Betonproduktion genutzt. Danach folgen der Einbau der maschinellen und elektrotechnischen Ausrüstung sowie die abschließenden Landschafts- und Gestaltungsmaßnahmen. Nach Abschluss der Arbeiten werden die temporären Baustellenflächen zurückgebaut, landschaftlich wiederhergestellt oder für eine zukünftige Nutzung vorbereitet. Begleitend dazu sind während der gesamten Bauzeit Milderungs- und Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen.

Hauptbaustelle am Zoggler Stausee

Die zentrale Baustellen und Logistikfläche befindet sich westlich des Palenhofs am Zoggler Stausee außerhalb von Ortschaften. Der Einsatz von Materialseilbahnen, die unmittelbare Nähe zu der geplanten Gestaltungsfläche im Zoggler Stausee und die Lage der Baustellenfläche in einem keinen Tal ermöglicht eine erhebliche Verringerung von LKW-Verkehr, Lärm- und Staubbelastung. Die benötigte Fläche der Hauptbaustelle umfasst rund drei Hektar, davon werden etwa 2,5 Hektar innerhalb des Stausees aufgeschüttet. Das Stollenportal und die Hauptbaustelle werden mittels Baustellenunterführung verbunden, welche die Landesstraße und den Seerundweg unterquert, sodass der baustelleninterne Verkehr nicht mit der Landestraße und dem Seeweg interferieren kann. Die Baustelle beim Fenster 2 auf 2.060 Metern Seehöhe weist eine Fläche von 0,5 Hektar auf. Von hier aus wird der Druckstollen Richtung Arzkar Stausee, die Apparatekaverne für die Drosselklappen und das Wasserschloss vorgetrieben. Auf 2.360 Metern Seehöhe befindet sich die Baustelle Oberwasserschloss, welche eine Dauer von 2 Jahren haben wird und nur im Sommer betrieben wird. Diese Baustelle wird ausschließlich über eine Materialseilbahn erschlossen und es wird keine Zufahrtsstraße errichtet. Für die Errichtung des Fenster 1 im Bereich des Arzkar Stausees wird die bestehende Zufahrtsstaße verwendet. Da kein Stollenaushub über das Kuppelwieser Tal abtransprotiert wird, sondern dieser im Arzkar Stausee eingebaut wird, ist in der schneefreien Zeit im Mittel mit lediglich 4 LKW-Fahrten pro Tag (2 Hin und 2 retour) durch das Kuppelwieser Tal zu rechnen.

Die Aufarbeitung der Baumaterialien erfolgt auf der Hauptbaustellenfläche am Zoggler Stausee. Die Betonherstellung erfolgt möglichst nahe am Verwendungsort und im Falle der Baustelle am Larcherberg unter Tage. Dadurch werden zusätzliche Transporte, Flächenverbrauch sowie Auswirkungen auf Bevölkerung und Umwelt auf ein Minimum reduziert. Wo möglich, werden bestehende Zufahrten genutzt und Baustellenflächen im Bereich des Stausees angelegt, um zusätzlichen Flächenbedarf an Land zu vermeiden. 

Weniger Verkehr durch Materialseilbahnen

Ein zentrales Element der Baustellenlogistik sind zwei temporäre Materialseilbahnen, die nach Abschluss der Bauarbeiten wieder rückgebaut werden. Über die untere Materialseilbahn werden Ausbruchmaterial ins Tal sowie Baustoffe, Maschinen, Rohrleitungen und Geräte zur Baustelle „Fenster 2“ transportiert. Die rund 1,8 Kilometer lange Anlage überwindet etwa 900 Höhenmeter und wird elektrisch betrieben. Die obere Materialseilbahn ist rund 1000 m lang und verbindet „Fenster 2“ mit der Baustelle am Oberwasserschloss. Sie dient vor allem dem Transport von Baustoffen und Baumaschinen und wird voraussichtlich über zwei Sommer hinweg genutzt, da in diesem Bereich während der Wintermonate keine Bautätigkeit möglich ist.

Durch den Einsatz der Materialseilbahnen können Schwertransporte auf öffentlichen Straßen weitgehend vermieden werden. Die Trassen werden so gewählt, dass bestehende Höfe, Waldflächen und andere wichtige Nutzungen möglichst wenig betroffen sind.

Baustellen

Lageplan temporäre Materialseilbahnen, die Achse ist weiß dargestellt, die Schneise lila.

Wie wird auf Wald, Wiesen und Anwohner Rücksicht genommen? 
Die Seilbahn verfügt über ausreichend Bodenfreiheit, sodass die Wiesen und Flächen darunter normal bewirtschaftet werden können. Die Schneise im Wald ist maximal 15 bis 19 m breit. Wo möglich, bleiben Wurzelstöcke, kleinere Bäume bis etwa 5 m Höhe und stellenweise auch höhere Bäume erhalten – als Schutz vor Lawinen und Erosion. Ausbruchmaterial wird im Schutz von Leitwänden abgelagert, um Lärm und Staub zu verringern. Ökologen kartieren die Lebensräume und erfassen die Tierwelt entlang der Trasse; das Thema Windwurf wird vertieft im Forstbericht untersucht, wo erforderlich werden lokal Maßnahmen gesetzt. Der Lärmschutz wird in enger Abstimmung mit den betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern, etwa bei den Höfen, im Detail geplant.

Wiederverwendung von Ausbruchmaterial

Ein Großteil des Ausbruchmaterials soll innerhalb des Projekts wiederverwendet werden, insbesondere für die Betonproduktion. Zusätzlich kann Material für lokale Verbesserungsmaßnahmen und die Gestaltung von Gelände- und Uferbereichen eingesetzt werden. Ein erheblicher Teil des Ausbruchmaterials soll in den Stauseebereichen zur Neugestaltung ausgewählter Uferzonen verwendet werden, beispielsweise bei der neu entstandenen Fläche am Palenhof. Diese Maßnahmen sind Bestandteil der Ausgleichs- und Aufwertungsmaßnahmen des Projekts. Dadurch können zusätzliche Materialtransporte und die damit verbundenen Umweltbelastungen deutlich reduziert werden.

Verkehr während der Bauzeit

Durch den Einsatz von Materialseilbahnen und die Wiederverwendung eines großen Teils des Ausbruchmaterials können viele Transporte vermieden werden. Dennoch wird es während der Bauzeit zu zusätzlichem Baustellenverkehr im Tal kommen, insbesondere für die Anlieferung von Zement, Stahl und weiteren Baustoffen.

Für die Ortsdurchfahrt St. Walburg wird im Durchschnitt mit rund zehn zusätzlichen LKW-Fahrten pro Tag gerechnet. Davon entfallen etwa fünf auf die Bergfahrt und fünf auf die Talfahrt. Sondertransporte sind darin bereits enthalten und werden nach Möglichkeit in den Nachtstunden durchgeführt. Die Berechnungen basieren auf einer Bauzeit von fünf Jahren mit durchschnittlich 250 Fahrtagen pro Jahr. Die Verkehrsbelastung verteilt sich dabei nicht gleichmäßig über die gesamte Bauzeit, sondern erreicht in den mittleren Baujahren ihren Höhepunkt. Insgesamt wird eine Zunahme des Schwerverkehrs auf der Landesstraße von rund zehn Prozent erwartet.

Baustellenlogistik

Verkehrsflüsse während der Bauphase

 

Die Landesstraße bei der Hauptbaustelle bleibt während der gesamten Bauzeit durchgehend befahrbar. Die beiden Teilbereiche der Hauptbaustelle werden durch eine Unterführung verbunden, sodass der Baustellenverkehr die Landesstraße möglichst wenig beeinträchtigt.

render baustelle

Schematische Darstellung der Hauptbaustelle während der Bauphase.

 

Schutzmaßnahmen

Zur Begrenzung von Staub, Lärm und visuellen Auswirkungen sind unter anderem Einhausungen, bewässerte Flächen, Reifenwaschanlagen, Erdwälle und Lärmschutzwände vorgesehen. Material- und Betontransporte queren die Landesstraße über eine Unterführung, um Staubentwicklung und Verkehrsbeeinträchtigungen weiter zu reduzieren. Zusätzlich werden Materialtransporte weitgehend auf die Materialseilbahnen verlagert sowie Elektro-LKWs und Elektrobaumaschinen eingesetzt.

Die Lärmauswirkungen wurden auf Grundlage von Messungen und Berechnungen durch Fachtechniker untersucht. Viele lärmintensive Arbeiten werden unterirdisch durchgeführt, Materialanlagen werden eingehaust und Transporte soweit möglich reduziert. Die geltenden Immissionsgrenzwerte richten sich nach dem Gemeindeakustikplan der Gemeinde Ulten.

Während der gesamten Bauphase erfolgen laufende Kontrollen von Lärm, Staub, Gewässern, Quellen sowie Flora und Fauna durch die örtliche Bauaufsicht und die ökologische Baubegleitung.

Erholung und Freizeit

Der Seerundweg am Zoggler Stausee bleibt während der gesamten Bauzeit erhalten. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die temporär genutzten Flächen rückgebaut, landschaftlich eingebunden oder die Uferbereiche neu gestaltet. Dadurch sollen langfristig zusätzliche ökologische und landschaftliche Aufwertungen geschaffen werden.

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Schematische Darstellung Seerundweg im Bereich der Hauptbaustelle während der Bauphase.